YouTube Werbung kann ruhig amateurhaft sein.

Es ist noch nicht so lange her, da gab es das Fernsehen. Es war dieses starre Medium, welches uns gezwungen hat zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein, um die Sendung zu sehen auf die man sich gefreut hat. Dies liegt gefühlt einige Jahrtausende hinter uns.

Heute können wir auf zahlreiche digitale Film- und Serieninhalte zurückgreifen, wann immer wir es wollen. Dies hat auch die Videowerbung maßgeblich verändert. Die größte Plattform unserer neuen Glückseligkeit heißt YouTube. Filme, Musik und Serien sind in einer unglaublichen Anzahl auf YouTube vertreten und können über Smartphones, Tablets, Desktop PCs angeschaut werden.

 

Die Werbeindustrie ist natürlich wie ein treuer Hund seinem Herrchen gefolgt und in diese neue Zeit mitgetrottet. Ich schreibe hier bewusst "mitgetrottet", weil ein Großteil der "Big Player" aus Zeiten der Fernsehwerbung den richtigen Anschluss an das Internet noch nicht gefunden haben. Es werden die gleichen durchgestylten, teuren und aufwändigen Spots produziert, die auch schon im Fernsehen funktioniert haben.

 

 Aber die Tragik der Geschichte ist… es funktioniert so nicht im Netz. Und die noch größere Tragik… der Auftraggeber merkt es oft nicht. Im besten Fall wird der vermeintliche Erfolg der hochgezüchteten Werbeclips über YouTube gemessen und oberflächlich analysiert. Die Zahlen sehen erst einmal gut aus. Viele Zugriffe, gute Klickraten und alles ist in bester Ordnung.

 

Gut, dass man mal wieder eine halbe Million für 30 Sekunden ausgegeben hat. Müde lächelt man über vermeintlich schlechtgemachte private Spots, die oft so aussehen als ob sie im Kinderzimmer mit einem Smartphone gedreht worden sind. Um auf Nummer sicher zu gehen, analysiert man aber auch diese Spots. Man kommt zu dem Ergebnis, dass sie von der messbaren Leistung den professionellen High Tec Clips nicht annähernd das Wasser reichen können und lehnt sich beruhigt in seinem Marketingchefsessel zurück. Das dieser schon kräftig angesägt ist fällt erst einmal nicht auf. Der Fall ist aber unvermeidlich. Google hat in der letzten Zeit weitergehende Untersuchungen durchgeführt und ist zu erstaunlichen Ergebnissen gelangt. Auf den ersten Blick waren die professionellen Spots erfolgreicher. Die Nutzer klickten wesentlich häufiger auf den Profi Clip als auf einen thematisch ähnlichen Amateurclip. Erweitert man die Analysen allerdings, ergibt sich ein komplett anderes Bild.

 

Diese wesentlich geringe Anzahl an Nutzern, die sich den Amateurclip anschaut, interagiert aber später mit den dort angebotenen Produkten in einem wesentlich höheren Maße als die Nutzer des Profi Clips. Sie kaufen das Produkt, sie empfehlen es in sozialen Netzwerken und sie interagieren an zahlreichen Stellen im Netz aktiv mit der entsprechenden Marke.

 

Tja, was soll nun die Werbeindustrie aus dieser Erkenntnis ableiten? Wird es reichen eine schlechte Kamera auf ein Stativ zu stellen und den Hausmeister der Firma ein Loblied auf Produkt XY halten zu lassen? Wir können gespannt sein, wie die Werbung der "Big Player" auf YouTube und in sozialen Netzwerken in der Zukunft gestaltet sein wird. Vielleicht sind es aber auch Dinosaurier, unfähig sich anzupassen und zum Aussterben verurteilt.

 

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